Freitag, Mai 16, 2008

"Die pink broschierte Klickgranate"

Was, wenn die kollektive "Feuchtgebiete"-Expedition dieser Tage nur die Folge eines Experiments wäre? Wenn es sich bei Charlotte Roches Roman um einen kalkulierten Hoax handelte, bei dem maximal durchgeknalltes Zeug, Hämorrhoiden-Analverkehr mit feministischem Überbau, in die Umlaufbahn geschossen wurde, um mal zu schauen, wie das in Talkshows und Feuilletons so ankommt?


Christian Kortmann versucht in der taz zu ergründen, warum dieses Buch so verblüffend erfolgreich ist. Der Artikel ist ganz vergnüglich zu lesen. Ein weiterer Auszug:

Es bedarf einiger gedanklicher Anstrengung, um pornografische Bilder zu entwerfen, die übertreffen, was im Internet jederzeit greifbar ist. Genau das ist in "Feuchtgebiete" gelungen: "Und wenn ich löffelweise von einem Hundehaufen naschen würde, es würde mir mit Sicherheit nichts passieren." Solche Vorstellungen lassen niemanden unbeteiligt. Die heftigen Reaktionen auf Kritiker- und Leserseite erinnern an die YouTube-Clips aus der Reihe "2 Girls 1 Cup Reactions". Sie zeigen die Reaktionen von Menschen, die einen Pornoclip anschauen, in dem zwei junge Damen ein Tässchen Kot verspeisen. (...) Mittlerweile hat sich ein so riesiger "Feuchtgebiete"-Diskursballon aufgeblasen, dass die letzte spektakuläre Volte allein in der Implosion bestünde, darin, dass der experimentelle Charakter enthüllt und ein Mann als wahrer Autor an die Öffentlichkeit treten würde.

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